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Vom Start ins Berufsleben

Erfahren Sie in unseren Interviews wie Berufseinsteiger ihren Weg zu BERLIN-CHEMIE und der Menarini GmbH gefunden haben und wie sie die Umstellung von der Theorie im Studium zur Praxis in unserem Unternehmen empfunden haben. Unsere Gesprächspartner verraten außerdem, wie die Einarbeitungsphase lief und welche Aufgaben sie heute übernehmen.

Dr. Nicole Dennhart
Dr. Nicole Dennhart
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Xenia Danilova
Xenia Danilova
Trainee Einkauf
Dr. Charlott Sterthoff
Dr. Charlott Sterthoff
Pharmaberaterin
Dr. Simon Goedecke
Dr. Simon Goedecke
Laborleiter Qualitätskontrolle
Enrico Kunert
Enrico Kunert
Contract Manager im Key Account Management
Dr. Sarah Heilmann
Dr. Sarah Heilmann
Fachreferentin Fach- und Gebrauchsinformation
Dr. Christina Heckel
Dr. Christina Heckel
GMP-Koordinatorin Solida-Produktion
Anne-Marie Wannek
Anne-Marie Wannek
Export-Administratorin

Die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Nicole Dennhart entwickelt im Bereich Forschung und Entwicklung der Menarini GmbH analytische Methoden für die Untersuchung neuer Arzneimittel.

Dr. Nicole Dennhart
Dokumentation ist das A und O. Alles muss nachvollziehbar sein, was wir hier tun. Was nicht dokumentiert ist, wurde quasi nicht gemacht.

Frau Dr. Dennhart, Sie sind von Haus aus Lebensmittelchemikerin. Wie kommt es, dass Sie heute in einem Pharmaunternehmen arbeiten?

Im Grunde bin ich schon zur Promotion in eine andere Richtung abgeschweift, in die Bioanalytik. Dadurch war ich automatisch ein bisschen weg von den Lebensmitteln. Anschließend habe ich mich dann nach einer neuen Stelle umgeguckt und gesehen, dass viele Pharmaunternehmen auch Lebensmittelchemiker suchen. Einfach weil wir analytisch ausgebildet sind. Und gerade in dem Teil der Forschung, in dem ich jetzt bin, in der Analytischen Chemie, braucht man typische Analytiker.

Was genau analysieren Sie?

Als Lebensmittelchemikerin natürlich alle Lebensmittel, die auf dem Markt sind. Auf jedem Lebensmittel steht ja drauf, was alles drin ist – wie viel Fett, wieviel Zucker. Der Lebensmittelchemiker nimmt sich das Lebensmittel und untersucht, ob die Angaben richtig sind. In einem Pharmaunternehmen ist es das Gleiche: Eine Tablette wird hergestellt und es steht darauf, dass 400 Milligramm von einem Wirkstoff in der Tablette sind. Dann müssen ja auch wirklich 400 Milligramm enthalten sein, damit der Verbraucher das bekommt, was auf der Packung steht.

Aber es gibt doch sicher Unterschiede zwischen der Analyse von Lebensmitteln und der Analyse von Arzneimitteln, oder?

Ob ich jetzt einen Orangensaft nehme und ihn untersuche oder eine Tablette auflöse und nach dem Wirkstoff schaue: Die Techniken, die dahinterstehen, sind im Grunde die gleichen. Nur muss man natürlich im Bereich Pharma weitere Grundlagen beachten. Da gibt es zum Beispiel bestimmte Guidelines, auf die man achten muss.

Sie arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung. In welcher Entwicklungsphase sind Sie beteiligt, wenn ein neues Arzneimittel entwickelt wird? 

Es gibt ja zunächst immer einen Wirkstoff. Dieser wird in der Regel von den Kollegen der Menarini-Gruppe in Italien entwickelt. Dieser Wirkstoff muss dann in einer geeigneten Formulierung verpackt werden, zum Beispiel in Tablettenform oder in eine Lösung. Das übernimmt die Abteilung Pharmazeutische Entwicklung bei uns. Die Kollegen überlegen sich eine Formulierung, und das Medikament wird dann in der Form, in der es getestet werden soll, hergestellt. Ich bin hierbei nicht nur an einer, sondern an verschiedenen Entwicklungsphasen beteiligt.

Zum Beispiel?

Das kann die Charakterisierung des vorliegenden Wirkstoffes betreffen, zum Beispiel in Form von Löslichkeitsstudien oder Wasserbestimmungen. Oder ich untersuche die zunächst gewünschte Formulierung analytisch, um zu zeigen, wie stabil die Wirkstoffformulierung in unterschiedlichen Klimazonen ist, und um zu prüfen, ob man mit unerwünschten Abbauprodukten rechnen muss.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Medikament noch nicht auf dem Markt, oder?

Nein, ist es noch nicht. Zunächst muss die Formulierungsfindung abgeschlossen sein. Danach gibt es verschiedene klinische Phasen, also Studien, die ein Medikament durchläuft. Diese betreffen, neben der Sicherheit des Medikaments, die Dosierungsfindung und natürlich den signifikanten Wirkungsnachweis. Sind diese erfolgreich verlaufen, beantragt man die Zulassung für das Medikament bei den zuständigen Behörden, und dann erst käme es auf den Markt. Das ist ein langer Weg, und leider kann es vorkommen, dass ein Projekt plötzlich gestoppt wird, zum Beispiel wenn sich zeigt, dass ein Wirkstoff nicht ausreichend wirksam ist.

Gewöhnt man sich daran, dass ein Projekt ganz plötzlich auch wieder beendet sein kann?

Es ist immer ein kleiner Schlag, weil man so viel Arbeit und Energie hineinsteckt. Zwei, drei Tage denke ich dann schon: Mensch, schade. Aber das gehört halt dazu. Das ist Forschung und Entwicklung. Und man treibt ja trotzdem etwas voran. Selbst, wenn die Entwicklung beispielsweise eines Krebs-Medikaments gestoppt wird, haben wir trotzdem auf diesem Gebiet geforscht und sind einen Schritt weiter.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von ihnen aus?

In der Abteilung, in der ich jetzt bin, bin ich noch viel im Labor und kann praktisch arbeiten. Ich sehe das als meine kleine Nische, die ich hier habe. Was ich von Studienkollegen höre, ist das woanders kaum möglich. Bei ihnen übernehmen Laboranten die praktische Arbeit, und sie selbst bekommen dann die Unterlagen und werten sie aus. Ich kann hier selbst auch mit ins Labor. Bei der Methodenentwicklung ist das natürlich super, weil man nah dran ist und selber schnell noch etwas verändern kann, wenn man merkt, dass etwas in die falsche Richtung läuft. Das ist hier richtig toll. Ich bin ja ursprünglich auch gelernte Laborantin und mache das auch gerne.

Wie viel Ihrer Arbeitszeit nimmt die Dokumentation ein?

Ich würde sagen, es sind fast zwei Drittel Dokumentation. Dokumentation ist das A und O. Alles muss nachvollziehbar sein, was wir hier tun. Was nicht dokumentiert ist, wurde quasi nicht gemacht. Daran muss man sich gewöhnen, gerade wenn man frisch von der Uni kommt. Ich glaube, bei meinem Bewerbungsgespräch gab es damals schon die Frage, ob ich denke, dass ich mit der vielen Dokumentation klarkomme. Das ist einfach nicht jedermanns Sache.

Gibt es ansonsten Eigenschaften oder Fähigkeiten, die für Ihre Arbeit besonders wichtig sind?

Ganz wichtig ist es, gewissenhaft zu arbeiten. Man muss sich eben zum Beispiel angewöhnen, alles aufzuschreiben, sofort. Das ist wichtig. Man muss in so einem Beruf außerdem sehr strukturiert und organisiert sein. Aber wer das nicht ist, würde wahrscheinlich auch ein Studium im Bereich Analytik gar nicht erst durchziehen.

Sie arbeiten bereits einige Jahre im Unternehmen, haben aber innerhalb der Forschung und Entwicklung noch einmal die Stelle gewechselt.

Genau. Zuerst hatte ich eine befristete Stelle in der Qualitätskontrolle der Pharmazeutischen Entwicklung, aber dann wurde in der Abteilung Analytische Chemie eine unbefristete Stelle frei. Der Abteilungsleiter kannte mich schon aus früherer Zusammenarbeit und fragte, ob ich nicht Lust hätte zu wechseln, er hätte mich gerne im Team. Na, da war es nicht schwierig zu sagen: Okay, ich bewerbe mich. Und es hat geklappt. Wobei ich in der Gruppe, in der ich vorher gearbeitet habe, auch sehr gerne war.

Was ist der größte Unterschied zwischen Ihrem alten und dem neuen Team?

Das erste Team war vom Altersdurchschnitt her jünger. Jetzt bin ich in einer Abteilung, in der ich zu den Jüngsten gehöre. Aber das ist auch eine tolle Erfahrung, muss ich sagen, weil die Kollegen so viel Wissen haben. Die gehen an Probleme ganz anders heran. Wenn man noch nicht ganz so berufserfahren ist, ist man oft gleich so aufgeregt, wenn etwas nicht läuft. Aber die Kollegen sind da ganz gelassen, weil sie schon so viel erlebt haben und es immer eine Lösung gab. Das ist echt toll, muss ich sagen. Das ist noch mal ein ganz anderes Arbeiten, und nicht jeder hat die Chance, das kennenzulernen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Kollegen gleichzeitig offen sind für neue Ideen, die Sie einbringen?

Ja, auf jeden Fall. Als ich kam, sagten sie damals: Ach, da kommt frischer Wind. Außerdem übernimmt unsere Abteilung häufig Dienstleistungen für die Abteilung, in der ich vorher war. Das ist gut, weil ich das System und natürlich die Kollegen kenne. Das macht die Dinge einfacher.

Wie ist generell Ihr Eindruck vom Unternehmen, kennt man sich schnell untereinander?

Ja, schon. Wobei ich viele dadurch kenne, dass ich hier Volleyball spiele. Die Firma unterstützt einen Verein in Adlershof, dessen Halle wir dadurch für Betriebssport nutzen dürfen. Und dadurch kenne ich eben auch aus vielen anderen Abteilungen Kollegen. Und dann gibt es auch noch die Lauf-Events, an denen ich des Öfteren teilnehme. So kennt man sich auch auf privater Ebene.

Sie haben in München promoviert und sind für Ihre Arbeit nach Berlin gezogen. Was hat damals letztendlich den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben?

Zum einen kannte ich in Berlin schon Leute, weil ich hier studiert habe. Zum anderen muss ich sagen, dass ich den Bewerbungsprozess hier toll fand. Das ging damals so schnell. Andere große Unternehmen brauchen immer sehr lange, bis sie sich melden. Bis dahin hatte ich hier schon längst den Vertrag unterschrieben und eine Wohnung in Berlin gefunden. (lacht)

Xenia Danilova kümmert sich als Trainee im Zentralen Einkauf darum, dass ihre Kolleginnen und Kollegen im In- und Ausland alles haben, was sie zum erfolgreichen Arbeiten brauchen.

Xenia Danilova
Um im Einkauf gut zu sein, darf man nicht einfach nur einen Bestellvorgang ausführen, sondern muss sich mit den Dienstleistungen und Produkten auseinandersetzen, die man einkauft.

Frau Danilova, Sie sind Trainee im Zentralen Einkauf. Wie verläuft Ihre Ausbildung dort?

Was ich mache, ist kein klassisches Trainee-Programm. Von anderen Unternehmen kannte ich es so, dass man als Trainee innerhalb von eineinhalb oder zwei Jahren verschiedene Unternehmensbereiche durchläuft. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich bleibe die ganze Zeit im Einkauf, durchlaufe hier aber verschiedene Bereiche und lerne unterschiedliche Kategorien des Einkaufs kennen. Ich kann mich so fachlich sehr gut spezialisieren. Eigentlich ist das, was ich mache, schon vergleichbar mit einem Junior-Einkäufer. Ein Trainee hat bei uns von Anfang an viel Verantwortung und Freiraum bei der Planung und dem Management von Projekten und bei der Optimierung von Einkaufsprozessen – natürlich nur, wenn man sich ein gewisses Vertrauen erarbeitet hat.

Und wie schnell haben Sie eigene Projekte bekommen?

Das ging ganz schnell, es hat vielleicht ein paar Monate gedauert. Die Stellenausschreibung lautete damals: „Einkauf mit Schwerpunkt Fernsehwerbung.“ Damit konnte ich erstmal wenig anfangen, weil schon der Einkauf an sich nicht das ist, was sich die Menschen darunter vorstellen. Auch im Studium wird es kaum unterrichtet. Und der Einkauf von Fernsehwerbung ist nochmal etwas ganz eigenes.

Was genau macht denn dann der Einkauf?

Bei uns im Unternehmen gibt es zwei Abteilungen, die einkaufen: Die Materialwirtschaft ist eher das, was man unter dem direkten produktionsbezogenen Einkauf versteht. Ich wiederum arbeite im zentralen Einkauf. Wir kaufen alles ein, was nicht zur Produktion benötigt wird. Das heißt, wir kaufen keine Maschinen und keine Wirkstoffe, also auch keine Chemikalien. Stattdessen kaufen wir Marketing- und Veranstaltungsleistungen, wir kaufen Autos für unseren Fuhrpark, wir beschäftigen uns mit Mietverträgen. Wir kaufen also alles drumherum – vor allem Dienstleistungen. Dabei haben wir viele strategische Aufgaben, beispielsweise die Beschaffungsmarktforschung, die Entwicklung von Einkaufsstrategien, die Bündelung von Einkaufsmacht sowie die Bewertung und Entwicklung von Lieferanten.

Dabei liegt Ihr Schwerpunkt auf dem Bereich Fernsehwerbung. Was heißt das?

Die Fernsehwerbung macht etwa 50 Prozent meiner Arbeit aus. Ich betreue sieben Länder, in denen wir viele OTC-Produkte vertreiben, also Produkte, die frei verkäuflich sind. Diese Produkte werden in den Medien beworben, vor allem im TV. Dahinter steckt ein ziemlich großes Budget. Unsere Produktmanager vor Ort kümmern sich nicht allein um die Werbung, sondern kooperieren mit einer Media-Agentur. Wir im Einkauf wählen die Media-Agenturen in Abstimmung mit dem Land und der Marketing-Abteilung aus, kümmern uns um die Ausschreibung, verhandeln die kommerziellen Rahmenbedingungen und kümmern uns um das Vertragsmanagement. Außerdem kontrollieren wir die Einhaltung der Vereinbarungen im Laufe des Vertragsjahres, sind Ansprechpartner für die Agentur und das Land bei kommerziellen Angelegenheiten und lassen die Agentur durch einen unabhängigen Auditor bewerten.

Welche Länder sind Ihre Länder?

Ich persönlich betreue das Baltikum, den Kaukasus und Albanien. Insgesamt also sieben Länder.

Und wie kam es, dass Sie gerade diese sieben Länder betreuen?

In erster Linie natürlich, weil da meine Sprachkenntnisse zur Geltung kommen. Ich komme aus Russland. Die Agenturen und unsere Kollegen in den Auslandsbüros sprechen Englisch, aber viele Sachen kann ich besser auf Russisch klären. Und da ich die Einzige in unserem Team bin, die Russisch spricht, hat sich das einfach angeboten.

Sie haben Medienmanagement studiert. Hilft Ihnen das heute im Beruf?

Im Grunde ist das eine gute Mischung. Ich habe einen Bachelor in Medienmanagement. Wenn ich jetzt Medien einkaufe, hilft mir das, weil ich mich mit Mediensystemen auskenne. Ich weiß zum Beispiel wie Medienforschung funktioniert und wie Einschaltquoten zustande kommen. Das Studium war außerdem stark projektbezogen. Ich konnte mir viele hilfreiche Kompetenzen aneignen, zum Beispiel wie man ein Projekt erfolgreich managt und komplexe Auswertungen einfach kommuniziert. In meinem Masterstudium, European Business, ging es eher generell um Management mit Fokus auf Europa, um Strategie und Beratung. Dort habe ich mir kaufmännische Kenntnisse angeeignet und gelernt, in internationalen Teams zu arbeiten. Ich finde, um im Einkauf gut zu sein, darf man nicht einfach nur einen Bestellvorgang ausführen, sondern muss sich mit den Dienstleistungen und Produkten auseinandersetzen, die man einkauft.

Welche Fähigkeiten sollte man in Ihrem Job unbedingt mitbringen?

Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, steht an erster Stelle, denke ich. Man muss sehr systematisch arbeiten und Dinge hinterfragen. Ein zweiter wichtiger Punkt sind gute Kommunikationsfähigkeiten, schriftlich und auch mündlich, denn man arbeitet als Manager an vielen Schnittstellen. Ich habe viele externe Kunden und arbeite auch mit vielen Fachabteilungen zusammen.

Gibt es sonst noch Eigenschaften, die wichtig sind?

Man braucht ein gewisses Geschick und Durchsetzungsvermögen, um in Verhandlungen erfolgreich zu sein. Aber ich finde, man muss auch diplomatisch sein. Einkauf heißt nicht, Druck auf Lieferanten auszuüben, um den besten Preis zu bekommen. Man muss strategisch, langfristig denken und sich um eine Situation bemühen, die sowohl für den Lieferanten als auch das eigene Unternehmen Vorteile bringt. Was noch? Zahlenaffinität auf jeden Fall. Wir müssen die Kosten im Blick behalten, Auswertungen machen, Zahlen hinterfragen.

Wer unterstützt Sie, wenn etwas neu für Sie ist oder wenn Sie mal einen Rat brauchen?

Wir haben alte Hasen im Team, die schon länger dabei sind. Die stehen mir immer unterstützend zur Seite, genau wie meine Teamleiterin. Wenn ich merke, dass ich mir bei bestimmten Sachen nicht sicher bin, gehe ich zu meinem Chef. Er berät mich und hilft mir, die richtige Entscheidung zu treffen, oder leitet mich an die Leute weiter, die mir helfen können.

Sie sind häufig auf Dienstreise. Wo waren Sie dieses Jahr schon überall?

Zuerst in Kiew. Unser Büro dort wollte umziehen. Wir waren bei Besichtigungen, haben die potenziellen Vermieter kennengelernt und den Markt analysiert. Danach war ich im Baltikum und jetzt kommen noch die kaukasischen Länder. In Russland war ich auch fast eine Woche. Dabei ging es um Ausschreibungen für Medienleistungen sowie Drucksachen und Werbemittel.

Das sind ja sehr unterschiedliche Dinge, hier die Suche nach Büroräumen, da eine Ausschreibung für Werbemittel.

Stimmt. Bei mir kommen immer wieder neue Aufgaben und Projekte dazu. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich brauche im Job immer neue Herausforderungen, neue Bereiche. Ich habe zwar meine Stammbereiche, die ich gerne pflege und optimiere, aber ich freue mich immer, wenn etwas Neues dazukommt.

Dr. Charlott Sterthoff bringt als Pharmaberaterin im Außendienst Fachärzten in Kliniken und im niedergelassenen Bereich die Präparate von BERLIN-CHEMIE nahe.

Dr. Charlott Sterthoff
In meinem Job muss man sich ständig anpassen. Ich lerne immer wieder neue Sachen und bekomme so ein unheimlich fundiertes medizinisches Wissen.

Frau Dr. Sterthoff, Sie verbringen als Außendienstmitarbeiterin sehr viel Zeit im Auto. Wie viele Kilometer legen Sie täglich zurück?

Im Durchschnitt sind es 250 bis 300 Kilometer pro Tag. In meinem Job muss man schon gerne Auto fahren. (lacht) Ich nutze diese Phase immer zum Telefonieren mit Kunden und Kollegen. Außerdem brauche ich auch die Zeit für mich selbst. Manchmal ist es wichtig, ein Arztgespräch noch einmal Revue passieren zu lassen und das kann ich gut bei der Autofahrt.

In welcher Region sind Sie unterwegs?

Ich lebe in der Nähe von Bielefeld und muss von dort immer ein wenig rausfahren. Mein Gebiet umfasst Osnabrück und Minden und geht fast bis hoch zur holländischen Grenze.

Wie entscheiden Sie, wann und wie oft Sie eine Klink besuchen?

Anfang des Monats mache ich immer einen Touren-Plan. Ziel sollte es sein, alle Kliniken in gleichmäßigen Abständen zu besuchen. Aber es liegt in meinem Ermessen zu schauen, wie ich meine Besuche sinnvoll plane. Am Anfang hat mir die Planung noch tierisch Kopfzerbrechen bereitet, aber irgendwann hatte ich den Dreh raus. (lacht)

Für welches Indikations-Gebiet sind Sie zuständig?

Ich betreue einerseits den Herzkreislauf-Bereich und andererseits das Indikationsgebiet der COPD, das ist die chronisch-obstruktive Lungen-Erkrankung, also der sogenannte Raucherhusten. Als ich vor gut einem Jahr angefangen habe, lag die Priorität auf einem Produkt gegen Herzbeschwerden. Da habe ich in den Krankenhäusern nur die kardiologischen Abteilungen besucht. Wenn man dazu noch ein ganz anderes Fachgebiet betreut, wie die Pneumologie, macht es noch mehr Spaß.

Sie haben im Sommer 2011 im Außendienst angefangen. Wie sind Sie auf Ihre Arbeit vorbereitet worden?

Voraussetzung, damit ich verschreibungspflichtige Arzneimittel bei Ärzten besprechen darf, ist entweder eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer als Pharmareferent oder ein sogenannter Status, den ich als Naturwissenschaftlerin mitbringe. Zur direkten Vorbereitung auf meine Tätigkeit hatte ich eine dreimonatige Schulung in Berlin. Ich wurde medizinisch supergut vorbereitet, um überhaupt mit den Ärzten auf einer Ebene diskutieren zu können. Ein Mammut-Programm. Aber es hat sich gelohnt. Ich habe mich sehr gut vorbereitet gefühlt, als ich zu den Ärzten rausgegangen bin. Jedenfalls soweit das in dem Rahmen möglich ist. Die Realität sieht durch die Menschen, die man trifft, manchmal noch ein bisschen anders aus. Aber das kann man nicht trainieren. Entweder hat man ein Gespür dafür oder nicht.

Welche Eigenschaften braucht es sonst noch, um den Job gut zu machen?

Viele denken, man müsste im Außendienst gerne sehr viel reden. Das kann ich so gar nicht bestätigen. Ich finde es wichtig, sich gut unterhalten und zuhören zu können. Man muss ein angenehmer Gesprächspartner sein und gleichzeitig seinen Standpunkt ganz klar vertreten. Jeder Arzt weiß, was ich von ihm möchte, aber es ist trotzdem gut, das auch nochmal zu sagen, auf eine nette Art. Und damit kommen wir zum nächsten wichtigen Punkt: Man muss ein angenehmer Typ sein und sich an das Gespräch anpassen können.

 

Kann man das lernen?

Teils, teils. Ich erinnere mich, dass mein Vorstellungsgespräch aus meiner Sicht im Grunde eine Katastrophe war, weil ich vorher noch nie etwas im Vertrieb gemacht hatte. Aber mein Gesprächspartner hat damals zu mir gesagt, ich sei eine empathische Person. Ich glaube, das ist eine weitere ganz wichtige Eigenschaft, Empathie. Aber darüber hinaus kann man sich viel antrainieren. Ich habe Sprechen gelernt und an den richtigen Stellen zu schweigen. Das ist alles eine Übungssache.

Begegnen Ihnen eigentlich oft Vorurteile Ihrem Job gegenüber?

Vorurteile gibt es manchmal, aber das fällt mir nicht besonders negativ auf. Mein Vater hat anfangs gesagt: Du willst so einen Klinkenputzerjob machen? Das ist doch gar nichts für dich. Heute sagt er: Ich habe dich noch nie so glücklich gesehen, das war genau die richtige Entscheidung.

Und wie ist das Verhältnis zu den Ärzten?

Ich glaube, trotz gelegentlicher Witze wird man auch von den Ärzten wertgeschätzt. Es gibt eine Vielzahl an Ärzten, die mich Dinge fragen, weil sie darauf vertrauen, dass ich die richtigen Informationen besorge. Deswegen sage ich auch, ich bin Informationsträgerin und keine Pharmatante. In meinem Job muss man sich ständig anpassen. Ich lerne immer wieder neue Sachen kennen, zum Beispiel durch die vielen neuen Präparate, und bekomme so ein unheimlich fundiertes medizinisches Wissen. Und das macht Spaß.

Außendienstmitarbeiter, die wie Sie Fachärzte und Kliniken betreuen, werden bei BERLIN-CHEMIE auch Spezialisten bzw. Fachreferenten genannt. Waren Sie von Beginn für dieses Team im Einsatz?

Nein. Ich habe zunächst etwa ein Dreivierteljahr niedergelassene Ärzte besucht, bevor ich gefragt wurde, ob ich nicht die Kliniken betreuen möchte. Das war also ein recht schneller Aufstieg, aber die  Arbeit liegt mir einfach und ich glaube, meine Vorgesetzte hat das ganz schnell erkannt.

Und sofort darauf reagiert.

Was mich tierisch gefreut hat, weil ich mich noch gar nicht getraut hätte, mich von mir aus auf die Stelle zu bewerben. Aber hier bekommt jeder seine Chancen und ich finde, das spricht wirklich für BERLIN-CHEMIE.

Sie sind relativ weit weg von Berlin unterwegs. Wie halten Sie den Kontakt zur Zentrale?

Ich würde schätzen, dass ich etwa einmal im Monat in Berlin bin, zum Beispiel wenn es eine neue Veröffentlichung gibt, die für uns wichtig ist. Dann treffen wir uns in Berlin und gehen das mit den Marketingfachleuten und der medizinischen Abteilung durch. Dadurch kenne ich auch die anderen Kollegen, die Kliniken und Fachärzte betreuen.

Sie haben also das Gefühl, trotz der Entfernung voll dazuzugehören?

Auf jeden Fall. Das liegt aber auch an der Schulungszeit. Damals gab es zum Beispiel Trainingsgespräche, bei denen wir ganz viele Kollegen im Unternehmen kennengelernt haben. Außerdem ist BERLIN-CHEMIE eine sehr warmherzige Firma. Ich kann das nicht anders beschreiben. Es ist offensichtlich, dass sich alle untereinander verstehen und die Vernetzung ist super. Selbst wenn ich bei einem völlig falschen Produktmanager anrufe, sagt der: „Ich stelle Sie durch. Das ist überhaupt kein Problem.“ Ich finde, das ist eine tolle Arbeitsatmosphäre. Obwohl ich im Außendienst den größten Teil der Arbeitszeit alleine unterwegs bin, habe ich nicht das Gefühl, ein Außenseiter zu sein.

Der Apotheker Dr. Simon Goedecke leitet die Labore für Enzym- und Aminosäure-Analytik innerhalb der Qualitätskontrolle.

Dr. Simon Goedecke
Die Hierarchien bei BERLIN-CHEMIE sind relativ flach. Wenn ich etwas anrege und meine Vorgesetzten erkennen das Potenzial darin, wird mein Vorschlag in die Überlegungen einbezogen.

Wie beginnen Sie einen ganz normalen Arbeitstag als Laborleiter bei BERLIN-CHEMIE?

Normalerweise ziehe ich Kittel und Schutzbrille an und begrüße meine Mitarbeiterinnen im Labor. Ich erkundige mich, ob etwas Besonderes anliegt oder am vergangenen Tag etwas Spezielles passiert ist. Beim ersten Gang des Tages kümmere ich mich also um die Belange meiner Kolleginnen.

Wie viele Kolleginnen gehören zu Ihrem Team?

In meiner Gruppe arbeiten sechs Kolleginnen, die sich auf zwei Laborbereiche verteilen. Das eine Labor kümmert sich um die Enzym-Analytik, das andere um die Aminosäure-Analytik.

In welchem Stadium des Herstellungsprozesses kommt die Qualitätskontrolle hinzu?

Meistens erst kurz vor dem Ende. In der Qualitätskontrolle kann nur noch das geprüft werden, was vorher eingebaut wurde. Wir bekommen die Produkte, die die Herstellung fertigt, also die losen Tabletten und Kapseln sowie Infusionslösungen, mit einem Prüfauftrag. Im Idealfall stellen wir am Ende fest, dass die Qualität der Produkte hervorragend ist.

Ihre Position als Laborleiter ist bereits die dritte Stelle, die Sie bei BERLIN-CHEMIE innerhalb von drei Jahren haben.

Stimmt. Ich habe als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stabilitätsmanagement angefangen. Dort wird überwacht, ob unsere Präparate während und am Ende der Laufzeit, also der Haltbarkeitsdauer, noch immer die vorgeschriebene Qualität haben. Anschließend habe ich die Elternzeitvertretung für die Leiterin eines Labors in der Qualitätskontrolle übernommen. Ein großes Labor mit damals elf Mitarbeitern. Danach hat sich die Chance für meine aktuelle Stelle geboten. Diese Position habe ich seit September 2011 und es macht Spaß. Es gibt viel zu bewegen.

Inwiefern?

Ich bin als Laborleiter immer gehalten, die Techniken, die wir verwenden, an den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik anzupassen. Manche Methoden sind irgendwann nicht mehr genau genug oder sie sind nicht geeignet, das zu erkennen, was wir heutzutage erkennen wollen, etwa was die Reinheit einer Probe angeht. Ein Methodenwechsel ist aber nicht in jedem Fall sinnvoll. Manchmal gibt es auch eine Methode, die schon etwas älter ist, aber leistet, was sie soll. Dann wäre es ineffizient, etwas zu ändern. Aber wenn es Verbesserungspotenzial gibt, sollte man sich auch darum kümmern und es angehen.

Wie gut sind die Aussichten auf Erfolg, wenn Sie neue Ideen einbringen?

Die Hierarchien bei BERLIN-CHEMIE sind relativ flach. Ich habe eine Vorgesetzte. Ihre Chefin ist schon die Leitung der Qualitätskontrolle. Wenn ich etwas anrege und meine Vorgesetzten erkennen das Potenzial darin, wird mein Vorschlag in die Überlegungen einbezogen.

Sie sind Apotheker, haben promoviert und anschließend begonnen, bei BERLIN-CHEMIE zu arbeiten. Wie ist es, wenn man nur wenige Monate nach der Promotion plötzlich ein Labor mit elf Leuten leitet?

Das ist sportlich. (lacht) Aber man kennt sich bei BERLIN-CHEMIE und die Leitung der Qualitätskontrolle hat damals genug Vertrauen in mich gesetzt, um mir die Chance zu geben, mich zu beweisen. Und das hat Gott sei Dank gut funktioniert. Die Option nach der Elternzeitvertretung wäre gewesen, zurück in das Stabilitätsmanagement zu gehen. Aber da hat sich dann die Möglichkeit meiner jetzigen Laborleiterposition ergeben.

Wie haben Sie sich damals auf Ihre Führungsposition vorbereitet?

Das ist schwer zu sagen. So richtig darauf vorbereiten kann man sich nicht, denke ich. Es ist der menschliche Umgang, der zählt. In unserem Bereich herrscht Routinebetrieb. Das heißt, es geht um Effizienz. Da ist es einfach wichtig, im Labor dafür zu sorgen, dass es keine Störfaktoren gibt, damit die Kollegen in Ruhe arbeiten können.

Was bedeutet das für Sie?

Ich bin als Laborleiter derjenige, der erst einmal abfängt, was von außen auf das Labor hereinprasselt. Ich kanalisiere die Dinge und gebe sie an die Kolleginnen weiter. Ich glaube, ich bin eher der kollegiale Leiter und das funktioniert eigentlich ganz gut. Aber da müsste man vielleicht meine Mitarbeiterinnen fragen, ob die das ähnlich sehen. (lacht)

Von wem bekommen Sie Unterstützung, wenn Sie selbst mal nicht weiter wissen?

Ich leite das Labor seit September 2011 und es gibt immer noch häufig Fälle, bei denen die Historie wichtig ist, die Zeit, bevor ich Laborleiter wurde. Da versorgen mich die Kolleginnen im Labor mit Hintergrundinformationen, so dass ich ein Gesamtbild habe. Darüber hinaus bekomme ich Unterstützung durch meine Vorgesetzte. Das funktioniert super.

Gibt es sonst noch etwas, das Ihnen wichtig ist?

Ich bekomme nicht nur Unterstützung von meinen Mitarbeiterinnen und meiner Vorgesetzten. Wenn ich Fragen habe, kann ich auch zu meinen Kollegen gehen, die teilweise viel länger da sind als ich.

2012 haben Sie außerdem an einem einjährigen Weiterbildungsprogramm teilgenommen. Wie genau lief das ab?

Aus jedem Vorstandsbereich werden Mitarbeiter benannt, um an diesem Förderungsprogramm teilzunehmen. Wir waren zu elft. Innerhalb eines Jahres haben wir Einblicke in unterschiedlichste Bereiche bekommen. Betriebswirtschaft gehörte dazu, wie halte ich Präsentationen oder Reden, wie funktioniert Teamwork oder auch wie stelle ich mir meinen weiteren Werdegang vor.

Gibt es über die Seminarinhalte hinaus etwas, das Sie für sich positiv aus dieser Zeit mitnehmen?

Ich habe mehr Ansprechpartner als vorher. Ich habe weiter Kontakt zu den Kollegen, die die Seminare mit mir besucht haben. Wir treffen uns ab und an und gehen gemeinsam essen. Aber es ist alleine schon toll, dass man sich jetzt kennt und ich weiß, wen ich fragen würde, wenn ich ein Problem habe, das vielleicht gar nichts mit der Qualitätskontrolle zu tun hat. Und wenn der Kollege meine Frage nicht beantworten kann, kennt er aber vielleicht wiederum jemanden, den ich fragen könnte.

In welchem Bereich würden Sie sich in Zukunft noch zusätzlich weiterbilden?

Ich habe mich erst kürzlich für eine Weiterbildung zum Fachapotheker für pharmazeutische Technologie entschieden. Die Weiterbildung geht über zwei Jahre. Normalerweise sind es drei, aber ich habe schon während der Promotion einen Fachapotheker für pharmazeutische Analytik gemacht. Deshalb wird mir möglicherweise ein Jahr angerechnet. Ich finde es wichtig, dass ich über die Weiterbildung Einblicke in andere Abteilungen bekomme, dass ich meinen Horizont erweitere und dass das kontinuierliche Lernen gepflegt wird.

Enrico Kunert betreut als Contract Manager im Key Account Management Großkunden in ganz Deutschland.

Enrico Kunert
Ich schätze an meiner Arbeit, dass sie sehr abwechslungsreich ist. Mich erwartet im Büro nicht jeden Tag das gleiche.

Herr Kunert, Sie arbeiten im August schon zehn Jahre bei BERLIN-CHEMIE.

Stimmt. Ich habe 2003 hier angefangen. Damals war ich Student an der Berufsakademie und habe Wirtschaftsinformatik studiert, also eher ein IT-lastiges Thema. Beim Dualen Studium an der Berufsakademie ist man abwechselnd drei Monate an der Akademie und dann drei Monate in einem Unternehmen. Da haben Berufsakademie-Studenten häufig Projekt-Aufgaben, die sie möglichst selbstständig lösen sollen.

Sie sind heute Contract Manager im Key Account Management. Wie kommt man als Wirtschaftsinformatiker zu dieser Tätigkeit und was bedeutet das genau?

Während der ersten vier Semester habe ich mich hauptsächlich um IT-spezifische Projekte gekümmert. In meinem fünften Praxissemester habe ich dann in der Marktforschung gearbeitet und mich da mit dem Thema Festbeträge beschäftigt. Das war für mich im Grunde der erste reine betriebswirtschaftliche Inhalt in meinem Arbeitsalltag und der erste wirkliche Schritt in die Welt eines Pharmaunternehmens. Und dabei bin ich dann geblieben. Nach dem Studium habe ich als Vertriebsassistent in der Abteilung Trade Channel Management angefangen. Dort werden die einzelnen Vertriebskanäle betreut, also die Kliniken, der Großhandel, die Krankenkassen und die Bundeswehr. Ich war zuständig für das Reporting, die Auswertung von Umsatzzahlen und zum Teil für die Vertriebssteuerung. Seit 2009 arbeite ich im Key Account Management. Das ist im Prinzip der operative Teil im Vertrieb. Dort werden die Kundengespräche geführt, Verträge und Vereinbarungen geschlossen und abgewickelt.

Zehn Jahre im gleichen Unternehmen zu bleiben, ist seltener geworden.

Stimmt. Als ich mit dem Studium fertig war, habe ich häufiger gehört, dass man idealerweise nicht länger bei einem Unternehmen bleibt, wenn man sich entwickeln möchte. Ich finde aber, dass ich doch eine ganz interessante Entwicklung gemacht habe. (lacht)

Inwiefern?

Kurz vor Beginn meiner Arbeit als Vertriebsassistent trat 2006 ein neues Gesetz in Kraft: das Arzneimittelversorgungswirtschaftlichkeitsgesetz. Unter anderem bewirkt es, dass bestimmte Arzneimittel nicht unter marktüblichen Preisen an Kliniken verkauft werden. Ich hatte das Glück, dass ich mich mit dem Thema beschäftigen konnte – vom Studium zu kommen und gleich ein eigenes Thema zu haben. So ging es immer weiter: Es kamen ständig neue Themen hinzu. Erst waren es die Kliniken, dann kamen die Krankenkassen dazu, dann die Bundeswehr und am Ende der Großhandel. Dadurch kenne ich alle Bereiche, die für meine Abteilung von Interesse sind. Mir wurde nie langweilig. Hinzukommt, dass BERLIN-CHEMIE insgesamt viele Möglichkeiten bietet, sich weiterzuentwickeln. Ich kann zum Beispiel regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen.

Was ist für Sie das Beste an Ihrer Arbeit?

Was ich an meiner Arbeit wirklich schätze, ist, dass sie sehr abwechslungsreich ist. Mich erwartet im Büro nicht jeden Tag das gleiche, sondern ich beschäftige mich übers Jahr verteilt mit verschiedenen Dingen. Im Frühjahr gehen die Vorbereitungen für die Halbjahresgespräche bei den Großhändlern los, mit denen wir zusammenarbeiten. Das wiederholt sich im Herbst, wenn ich die Jahresgespräche vorbereite. Ich mag es, wenn solche Kundenbesuche anstehen. Dadurch sehe ich viel von Deutschland. Dazwischen bearbeite ich auch andere Themen, zum Beispiel im Bereich Krankenkassen. Auf diesem Gebiet halte ich engen Kontakt zu meinen Kollegen im Außendienst. Insgesamt habe ich dadurch einen sehr guten Überblick über verschiedene gesundheitspolitische Themen. Dieser Mix aus Themen, in denen ich mich permanent fit halten muss, und der Kontakt mit meinen Kollegen machen mir viel Spaß. Außerdem finde ich, dass ich in einer sehr gut funktionierenden Abteilung arbeite, in der es auch zwischenmenschlich passt.

Wenn Sie die Großhändler zum Halbjahres- bzw. Jahresgespräch besuchen, sind Sie dann alleine unterwegs?

In der Regel fahren wir zu zweit. Aus dem einfachen Grund, dass uns meist auch mehrere Leute gegenübersitzen. Außerdem ergänzt man sich gegenseitig. Es gibt immer Fragestellungen, die der eine vielleicht gerade nicht im Hinterkopf hat, der andere aber schon.

Wie haben Sie alles gelernt, was notwendig ist, um Kundengespräche zu führen?

Mein Chef hilft mir da sehr. Ich fordere allerdings auch aktiv von ihm ein, dass er mir nach den Gesprächen Feedback gibt und wir darüber sprechen, wie das Gespräch insgesamt gelaufen ist. Was hat es uns gebracht? Was können wir, was kann ich beim nächsten Mal besser machen? Inzwischen hat es sich aber ganz gut eingespielt und ich habe auch das ein oder andere Gespräch allein geführt. Es gibt mir Sicherheit zu wissen, dass ich das kann und nichts Schlimmes passiert. Der Kunde redet auch noch mit uns. (lacht)

Was fordert Sie bei einem Kundengespräch am meisten heraus?

Das Schwierigste ist, den roten Faden zu halten und nicht in Plaudereien abzuschweifen. Das gehört natürlich auch dazu und ist wichtig für die Beziehung zu unseren Kunden, aber schlussendlich ist das Ergebnis entscheidend, die Informationen, die wir mitnehmen.

Wir haben viel über das Thema Weiterentwicklung gesprochen. Haben Sie sich auch für Ihre weitere Zukunft bei BERLIN-CHEMIE bestimmte Ziele gesetzt?

Jein. Ich lebe nicht in den Tag hinein, sondern habe Zwischenziele, die ich gerne erreichen möchte. Allerdings geht es mir nicht darum, auf der Visitenkarte einen neuen Titel stehen zu haben, sondern ich möchte an bestimmten Stärken und Schwächen arbeiten, die ich besitze, und mich so Stück für Stück entwickeln.

Dr. Sarah Heilmann sorgt als Fachreferentin für Fach- und Gebrauchsinformationen dafür, dass Patienten und Ärzte alles Wichtige über Präparate von BERLIN-CHEMIE wissen.

Dr. Sarah Heilmann
Ich finde meine Stelle sehr vielfältig. Es gibt immer wieder andere Fragestellungen und neue Herausforderungen. Das macht es einfach spannend.

Frau Dr. Heilmann, Sie sind Fachreferentin für Fach- und Gebrauchsinformation. Was genau ist das?

Ich bin zuständig für unsere Produktinformationstexte. Dazu zählen unter anderem die Fach- und Gebrauchsinformation. Die Gebrauchsinformation kennt eigentlich jeder, der schon mal ein Arzneimittel in der Hand hatte. Das ist die Information über das Arzneimittel für den Patienten. Hierzu zählt natürlich auch das, was auf der Packung selbst steht. Ich bin sowohl für die Inhalte dieser Produktinformationstexte zuständig als auch dafür, dass Änderungen der Texte fristgerecht bei der Produktion berücksichtigt werden. Das Gleiche gilt für die Fachinformation für Ärzte und Apotheker, die es zu jedem Präparat gibt.

Bedeutet das, dass Sie recherchieren, was in den Texten drin steht?

Ich recherchiere beispielsweise den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Das sind Fragen wie: Gibt es neue Erkenntnisse aus Studien? Sind neue Wechselwirkungen bekannt? Gibt es aus dem Bereich Arzneimittelsicherheit neue Informationen dazu, ob eine Nebenwirkung neu oder häufiger auftritt? Solche Dinge würden dann in die Texte einfließen. Außerdem gibt es viele Vorgaben seitens der deutschen und europäischen Behörden, die ich ebenfalls beachten muss.

Betreuen Sie dabei ein bestimmtes Indikationsgebiet?

Ich habe als Fachreferentin für die Diabetes- und Endokrinologie-Texte angefangen, betreue aber mittlerweile auch Produkte aus dem Bereich Herz-Kreislauf und bin für die Texte zu unseren Urologie-Präparaten zuständig. Das macht es so spannend und vielfältig.

Warum?

Ich habe zwar eine gewisse Routine, aber es kommt immer mal wieder etwas Neues hinzu, zum Beispiel ein neues Produkt. Ich war beispielsweise relativ bald, nachdem ich bei BERLIN-CHEMIE angefangen hatte, mit für ein solches Produkt zuständig. Das stellt eine ganz andere Herausforderung dar. Man muss sich neu in dieses Produkt einarbeiten und es kommt viel von unterschiedlichen Seiten zusammen, beispielsweise aus dem Bereich Marketing und aus unserer Abteilung, Medizin und Forschung. Es ist toll zu sehen, wie das alles ineinandergreift. Und dann ist das Präparat irgendwann auf dem Markt und man hat es geschafft.

Zu Ihren Aufgaben gehört es zusätzlich, intern Schulungen zu halten. Wen schulen Sie da?

Den Außendienst. Ich bin auch medizinische Fachreferentin für einige unserer oralen Antidiabetika und wir haben vier Schulungskurse pro Jahr. Darin schult jeder Fachreferent die Außendienstkollegen zu den jeweiligen Produkten. Das ist ein ganz anderer Aspekt meiner Arbeit.

Und dazu leiten Sie auch Pharmazeuten im Praktikum an.

Genau. Dafür muss man gemäß Approbationsordnung Apotheker sein. Die Betreuung und fachliche Anleitung von PhiPs, wie wir die Pharmazeuten im Praktikum nennen, macht unheimlich Spaß. Im Bereich Medizin und Forschung liegt der Fokus hierbei auf allen Aspekten der Arzneimittelinformation. Bei mir selbst ist das praktische Jahr ja auch noch nicht so lange her. Wenn man von der Uni kommt, hat man häufig noch wenig Ahnung vom realen Arbeitsleben oder davon, welche pharmazeutischen Tätigkeitsfelder es außerhalb der Apotheke für uns Apotheker gibt. Ich finde es schön, wenn ich zeigen kann, wie vielfältig unser Beruf ist.

Wie sind Sie eigentlich zu BERLIN-CHEMIE gekommen?

Ich habe mich schon während der Promotion sehr für den Bereich Arzneimittelinformation interessiert. Nach der Promotion habe ich mich dann nach geeigneten Stellen umgesehen. Einige Kollegen, die mit mir promoviert haben, kannten BERLIN-CHEMIE. Über sie habe ich von dem Unternehmen und von der Unternehmensphilosophie gehört.

Was genau hat Sie denn an der Unternehmensphilosophie gereizt?

BERLIN-CHEMIE ist ein Familienunternehmen und hat eine lange Tradition. Ich finde es schön, in einem solchen Unternehmen zu arbeiten. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, Zusammenarbeit und Teamgeist werden groß geschrieben und jeder wird von vielen Seiten unterstützt.

Wie wichtig war bzw. ist diese Unterstützung für Sie?

Ich war Berufseinsteiger, als ich bei BERLIN-CHEMIE anfing, und hatte mich auf eine Stelle beworben, für die man im Idealfall bereits Berufserfahrung haben sollte. Deshalb hatte ich am Anfang manchmal Zweifel, ob ich als Berufseinsteiger für die Stelle geeignet bin. Am Ende lief es problemlos. Die Türen stehen einem hier immer offen. Egal, in welcher Abteilung, man kann immer anrufen und fragen, wie etwas funktioniert. Das hat die Einarbeitung sehr erleichtert.

Wer hat Sie damals eingearbeitet?

Hauptsächlich meine Teamkollegin, mit der ich auch das Büro teile. Sie hat unter anderem einen Einarbeitungsplan erstellt und ich konnte sehr schnell die Produkte, für die ich zuständig bin, übernehmen und eigene Projekte bearbeiten. Das war super.

Das klingt sehr systematisch. Von einem richtigen Einarbeitungsplan hört man nicht oft.

Es klingt sehr formal, das stimmt. (lacht) Im Grunde stand in dem Plan, welche Bereiche, Abläufe und Kollegen ich innerhalb einer bestimmten Zeit kennengelernt haben sollte, mit wem ich zusammenarbeiten werde und dann natürlich die Basics, die man für die Stelle wissen muss. Das hat mir die ersten drei, vier Wochen sehr erleichtert.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich eingearbeitet hatten?

Das ging recht schnell, vielleicht zwei oder drei Monate. Manche Dinge muss man einfach einmal selbst gemacht haben, um sie richtig zu kennen. Das Gefühl, eigenständig arbeiten zu können, hatte ich schon nach zwei oder drei Monaten.

BERLIN-CHEMIE bietet Einführungsveranstaltungen für neue Mitarbeiter an. Haben Sie das Angebot genutzt?

Wenn es terminlich möglich war, ja. In den Veranstaltungen lernt man verschiedene Abteilungen kennen. Man wird dadurch außerdem mit den Strukturen und Wegen in der Firma vertraut und lernt die anderen neuen Mitarbeiter kennen.

Warum haben Sie sich nach dem Studium und Ihrer Promotion dafür entschieden, in die Industrie zu gehen? Was hat Sie gereizt?

Die Vielfalt. Ich hatte schon im praktischen Jahr, das ich zum Teil in der Industrie verbracht habe, das Gefühl, dass ich hier mein Wissen einbringen und mich weiterentwickeln kann. Ich finde meine jetzige Stelle sehr vielfältig. Es gibt immer wieder andere Fragestellungen und neue Herausforderungen. Das macht es einfach spannend.

Wann kam bei Ihnen zum Interesse an der Pharmazie auch das Interesse am Kommunizieren hinzu?

Die Kommunikation war das, was mir in der Apotheke besonders viel Spaß gemacht hat, Patienten zu beraten und ihnen dadurch weiterzuhelfen. Man glaubt gar nicht, wie viele Patienten eigentlich gar nicht so genau wissen, wie sie ihr Arzneimittel einnehmen sollen. Dabei ist das so wichtig. Und das ist der Aspekt, um den sich meine jetzige Arbeit dreht, nämlich Arzneimittelinformation. Bei der Gebrauchsinformation muss ich zum Beispiel ein Augenmerk darauf haben, dass sie verständlich geschrieben ist. Hier kann ich also den Patienten unterstützen. Ich beantworte außerdem spezielle Anfragen von Ärzten und Apothekern und kann damit helfen, dass unsere Arzneimittel richtig angewendet werden.

 

Dr. Christina Heckel sorgt als GMP-Koordinatorin der Feststoffherstellung dafür, dass die Produktion rund läuft.

Dr. Christina Heckel
Wir sind ein tolles, bunt gemischtes Team. Die einen bringen jahrelange praktische Berufserfahrung mit, die anderen neues theoretisches Wissen von der Uni. Das macht die Zusammenarbeit sehr interessant und bereichernd.

Frau Dr. Heckel, Sie haben Ihr Büro gar nicht hier in der Zentrale in Berlin-Adlershof, richtig?

Ja. Ich sitze normalerweise in Britz, an unserem anderen Berliner Standort. Das ist der Produktionsstandort für unsere festen Arzneiformen wie Tabletten, Filmtabletten und Dragees. Insgesamt arbeiten dort ungefähr 100 Mitarbeiter. Davon sind circa 80 in der Produktion selbst, also an den Maschinen beschäftigt und die übrigen Mitarbeiter haben einen Büroarbeitsplatz. Das sind außer mir zum Beispiel noch fünf andere Apotheker oder Pharma- und Chemie-Ingenieure, die bei uns Technologen genannt werden und die Pharmaleiter, die jeweils einem Team von Produktionsmitarbeitern vorstehen. In der Produktion wird bei uns im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Das heißt wir produzieren rund um die Uhr.

Arbeiten Sie ebenfalls im Schichtbetrieb?

Nein. Ich arbeite nur tagsüber. Ich bin aber trotzdem in ständigem Kontakt mit der Produktion, da mein Arbeitsplatz räumlich direkt an die Produktion angebunden ist. Das heißt, ich kann mir die Prozesse und auch die aufgetretenen Probleme in der Produktion bei Bedarf direkt vor Ort anschauen. Das macht meinen Arbeitsalltag sehr spannend und abwechslungsreich.

Was ist Ihre Aufgabe?

Ich bin GMP-Koordinatorin. GMP bedeutet Good Manufacturing Practice. Das sind die gesetzlichen Vorgaben, an die wir uns bei der Produktion halten müssen. Als GMP-Koordinatorin koordiniere ich – natürlich zusammen mit meiner Chefin – die Abläufe bei uns am Standort, damit wir diese Anforderungen erfüllen. Unser Ziel ist es, Tabletten von guter Qualität so effizient wie möglich herzustellen. Ich bin teils operativ tätig und führe Aufgaben und Projekte selber durch, teils koordiniere ich die Aufgaben der Technologen als GMP-Koordinatorin bzw. als deren Gruppenleiterin.

Und was kann man sich nun im Detail unter diesen Aufgaben vorstellen?

Ein Großteil unserer Aufgaben besteht aus Projektarbeit. Ein Beispiel hierfür ist die Einführung und Inbetriebnahme neuer Technologien und Anlagen in den Produktionsprozess. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe von uns ist die sogenannte Produktpflege, das heißt die kontinuierliche Betreuung der Produkte und deren Herstellprozesse. An unserem Standort stellen wir etwa 80 verschiedene Produkte her, von Vitaminpräparaten, Schmerzmedikamenten und Antidiabetika bis hin zu Bluthochdruckmedikamenten. Jedes Produkt hat einen anderen Herstellprozess. Hin und wieder können sich bei einzelnen Produkten im Laufe der Zeit Probleme einschleichen, zum Beispiel aufgrund der Verwendung von Rohstoffen unterschiedlicher Hersteller oder aufgrund von Produkttransfers auf neue Anlagen. In diesen Fällen ist es dann unsere Aufgabe ein Trouble Shooting oder eine Prozessoptimierung durchzuführen. Neben der Projektarbeit kümmern wir uns aber auch um unterschiedliche Themen, die die Routineproduktion betreffen, wie die Aktualisierung der Herstelldokumente oder Bearbeitung von Abweichungsberichten. Wie man sieht, sind die Aufgabengebiete sehr vielseitig und dadurch extrem interessant.

Sie sind seit zweieinhalb Jahren dabei und haben als Gruppenleiterin sehr schnell viel Verantwortung übertragen bekommen.

Das ist richtig. Ich wurde als Technologin eingestellt und nach ungefähr eineinhalb Jahren habe ich dann die Stelle der GMP-Koordinatorin und damit die Gruppenleitung der Technologen übernommen. Außerdem habe ich in diesem Zuge auch die stellvertretende Leitungsstelle der Solida-Produktion übertragen bekommen.

Was hat sich damit verändert?

Die Technologen sind mir nun fachlich unterstellt. Als Technologe an sich ist man auch schon verantwortlich für seine Bereiche und Projekte. Aber als Gruppenleiterin und vor allem als stellvertretende Leiterin der Solida-Produktion habe ich natürlich noch viel mehr Verantwortung übertragen bekommen. Das zeigt sich besonders, wenn meine Chefin im Urlaub ist. (lacht)

Sie sind außerdem Ermächtigte für die Fachapotheker-Weiterbildung bei BERLIN-CHEMIE. Was verbirgt sich dahinter?

Ich bin seit 2011 selbst Fachapothekerin für pharmazeutische Technologie und wurde kurze Zeit später dazu ermächtigt, die Weiterbildung für dieses Gebiet zu begleiten. Das heißt, ich betreue jetzt bei BERLIN-CHEMIE die Apotheker, die sich bei der Apothekerkammer für diese Weiterbildung anmelden. Im Moment sind das zwei Kollegen. Die eine arbeitet in der Qualitätssicherung und der andere in der Qualitätskontrolle.

Wie sind Sie überhaupt zu BERLIN-CHEMIE gekommen?

Ich habe damals in der Pharmazeutischen Technologie an der Universität Hamburg auf dem Gebiet der festen Arzneiformen promoviert, mit dem Schwerpunkt Tablettierung. Eigentlich war ich noch gar nicht auf der Suche nach einer Stelle, als ein Kollege von mir im Internet die Stellenausschreibung gesehen hat und meinte, dass sie exakt auf meine Interessen und auf mein Ausbildungsprofil passen würde.

War die Arbeit bei BERLIN-CHEMIE für Sie der Sprung von der Theorie in der Praxis?

Schon. Die Routineproduktion mit Anlagen, auf denen wir Chargen mit 400 Kilo herstellen, ist natürlich etwas ganz anderes als die Zehn-Gramm-Mischungen, die ich an der Uni an einer Exzenterpresse verarbeitet habe. Aber es war immer gut, dass ich den theoretischen Hintergrund hatte und die Praxis schon im kleinen Maßstab kannte. Dadurch fiel es mir leichter, die Anlagen und auch die Prozesse zu verstehen oder Ursachenforschung und Prozessoptimierung zu betreiben.

Wer hat Sie zu Beginn bei BERLIN-CHEMIE eingearbeitet?

Im Endeffekt das ganze Team. Das ging Stück für Stück und ich habe immer neue Aufgaben und Projekte übernommen. Außerdem bekommt man am Anfang einen Einarbeitungsplan und führt mit allen Abteilungen, mit denen man später zusammenarbeitet, ein Einstiegsgespräch. Das ist wirklich extrem hilfreich, da man dadurch sehr schnell die verschiedenen Abteilungen und natürlich auch die Mitarbeiter kennenlernt.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sagen konnten „Jetzt bin ich drin.“?

Das hat ungefähr ein halbes Jahr gedauert. Aber das liegt einfach auch daran, dass unsere Arbeit sehr vielseitig und abwechslungsreich ist. Eigentlich ist kein Tag wie der andere.

Wie wurden Sie im Team aufgenommen?

Super. Wir sind ein tolles, bunt gemischtes Team. Die Pharmaleiter sind teilweise schon seit Jahrzehnten in der Firma - manche haben hier bei BERLIN-CHEMIE sogar schon ihre Ausbildung gemacht - und wir Technologen sind noch relativ frisch von der Uni. Dadurch ergänzen wir uns sehr gut. Die einen bringen jahrelange praktische Berufserfahrung mit, die anderen neues theoretisches Wissen von der Uni. Das macht die Zusammenarbeit sehr interessant und bereichernd.

Haben Sie noch Kontakt zur akademischen Welt?

Ja. Ich habe in den letzten zwei Jahren an der Beuth Hochschule hier in Berlin die Vorlesung „Pharmazeutische Fabrikationsverfahren“ gehalten. Das war im Grunde nur dadurch möglich, dass ich bei BERLIN-CHEMIE meine Arbeitszeit zu einem gewissen Maße flexibel gestalten kann. Ich habe in der Vorlesung natürlich einen Großteil an Theorie vorgestellt, konnte aber auch viele praktische Beispiele aus meinem Berufsalltag in Britz einbringen. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Anne-Marie Wannek ist als Export-Administratorin dafür zuständig, dass die Arzneimittel von BERLIN-CHEMIE mit allen notwendigen Dokumenten auf die Reise ins Ausland gehen.

Anne-Marie Wannek
Ich arbeite nie Dinge einfach stupide ab, sondern ich muss immer meinen Grips anstrengen und mitdenken. Man ist nie geneigt, in einen Trott zu verfallen.

Frau Wannek, Sie gehören in Ihrer Familie schon zur zweiten Generation, die bei BERLIN-CHEMIE arbeitet.

Richtig. Mein Vater arbeitet auch bei BERLIN-CHEMIE, seit etwa 35 Jahren. Er ist wirklich ein Urgestein und ich bin quasi mit BERLIN-CHEMIE groß geworden und habe hier mein erstes Praktikum gemacht. Da war dann der Grundstein dafür gelegt, dass ich mich hier 2004 für eine Ausbildung zur Industriekauffrau beworben habe und es hat auch geklappt. (lacht)

Heute sind Sie Export-Administratorin. Was bedeutet das?

Ich arbeite in der Exportabteilung, die bei BERLIN-CHEMIE Commercial Center heißt. Da bin ich zuständig für die Exportdokumente für unsere Arzneimittel, die ins Ausland versandt werden. Zu den Dokumenten gehören Rechnungen, Packlisten und Analysezertifikate. Administratorin deshalb, weil ich letztendlich dafür zuständig bin, dass die konkrete Lieferung reibungslos ins Land kommt. Die Vorarbeit übernimmt der Export-Koordinator. Er kümmert sich um die Produktionsplanung und die vertragliche Basis, auf der wir liefern.

In welche Länder werden die Arzneimittel geliefert?

Wir betreuen Mitteleuropa und einige osteuropäische Länder. Dann noch Skandinavien und den Westbalkan. Albanien, Bosnien, Serbien, das sind die Länder, um die ich mich kümmere. Andere Teams betreuen Russland, weitere russischsprachige Länder und asiatische Regionen.

Worauf müssen Sie achten, wenn Sie die Exportdokumente zusammenstellen?

Im Prinzip hat jedes Land seine Eigenheiten, auch wenn es zur EU gehört. Das jeweilige Gesundheitsministerium macht gewisse Vorgaben, was auf den Dokumenten zu sein hat. Zum Beispiel, dass die Landeswährung angegeben wird oder der Umrechnungskurs. Und bei Drittländern kommen noch die Zollanmeldungen hinzu. Die haben es manchmal in sich, gerade wenn man Länder neu beliefert. Oder ein Land möchte besondere Zertifikate sehen. Für Albanien brauchen wir zum Beispiel ein Ursprungszeugnis, auf dem der Ursprung des Produktes erkennbar ist.

Wenn Sie jetzt nicht hier bei diesem Interview, sondern in Ihrem Büro säßen, was würden Sie dann gerade machen?

Ich habe viele tagesaktuelle Aufgaben. Jeden Tag sind ein paar Lkw abzufertigen und ich bereite einen Tag vorher immer sämtliche Dokumente vor. Und dann sind da noch die Lieferungen, die langfristig vorbereitet werden, zum Beispiel in Drittländer. Das Ursprungszeugnis, das ich vorhin erwähnt habe, braucht etwas mehr Zeit, weil es von der IHK beglaubigt werden muss.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung eigentlich auch schon in Ihrer jetzigen Abteilung, der International Division, gearbeitet?

Ich war schon auch in dem Bereich eingesetzt, in dem ich jetzt arbeite. Aber die Auszubildenden wechseln alle zwei Monate die Abteilung, um das ganze Unternehmen kennenzulernen. Das ist etwas, was ich immer wieder gut finde. Man lernt in der Zeit sehr viele Leute kennen. Gerade, wenn man nach der Ausbildung in einer festen Abteilung arbeitet, lernt man das zu schätzen, weil man weiß, von wem man welche Informationen bekommen kann.

Wie kam es dazu, dass Sie nach der Ausbildung dann fest in der International Division angefangen haben?

Eine Kollegin ging in den Vorruhestand und ich wurde nach einem Vorstellungsgespräch mit dem Abteilungsleiter  auf ihre Stelle übernommen. Ich hatte damals das Glück, dass sich die Kollegin ein halbes Jahr Zeit nehmen konnte, um mich in alle Prozesse einzuarbeiten und zu integrieren. Ich wurde außerdem sehr herzlich ins Team aufgenommen. Die International Division war meine Wahlabteilung und ich bin froh, dass alles so kam, wie es kam.

Sie haben nach Ihrer Ausbildung begonnen, parallel zu Ihrer Arbeit zu studieren. Was genau?

Ich mache den Bachelor für Business Administration an der GOBS, der German Open Business School, und werde hoffentlich im Februar 2014 fertig.

Wie lange dauerte das Studium dann?

Vier Jahre, in denen ich zwei bis drei Mal pro Woche abends Vorlesungen hatte.

Werden Sie bei Ihrem Studium von BERLIN-CHEMIE unterstützt?

Ich werde in finanzieller Hinsicht unterstützt. BERLIN-CHEMIE übernimmt die Semestergebühren. Das ist auf jeden Fall eine Erleichterung.

Was finden Sie an Ihrer Arbeit besonders spannend?

Es ist nie dasselbe, die Dinge sind ständig in Bewegung, gerade wenn man mit den Ländern zusammenarbeitet. Es gibt immer neue Gesetzgebungen, die ich berücksichtigen muss. Es gibt neue Großhändler, neue Vertragskonstellationen. Ich arbeite nie Dinge einfach stupide ab, sondern ich muss immer meinen Grips anstrengen und mitdenken. Man ist nie geneigt, in einen Trott zu verfallen. Das finde ich sehr schön.

In welcher Sprache arbeiten Sie?

Hauptsächlich auf Englisch. Die Kollegen in den anderen Teams arbeiten auch auf Russisch. Bei mir ist es das normale Businessenglisch.

Ist Ihnen das anfangs schwergefallen?

Das war eine Gewöhnungssache. Ich hätte früher nie gesagt, dass ich fließend Englisch spreche, aber durch die Arbeit bin ich sehr viel sicherer geworden. Man verliert auf jeden Fall die Angst zu sprechen.

Gehörte Englisch mit zur Ausbildung?

In der Berufsschule hatten wir normales Schulenglisch. Außerdem bietet BERLIN-CHEMIE selbst noch einen Englischkurs für die Auszubildenden an. Jede Woche hatten wir da zwei Stunden Englisch.

Welche Eigenschaften sollte jemand haben, der sich für Ihren Beruf interessiert?

Man darf keine Angst vor Computern haben. Es gibt ja immer noch Leute, die nicht gerne am Computer sitzen. Außerdem muss man strukturiert arbeiten können. Jemandem, der eher chaotisch ist, würde ich meinen Job nicht empfehlen. Es ist gerade bei mir sehr wichtig, eine Struktur zu haben und ein bisschen Ordnung auf dem Schreibtisch zu halten. Sonst finde ich die einzelnen Vorgänge nicht mehr wieder, die ich bearbeiten muss und verliere den Überblick.